Cargo Sous Terrain: Logistiksystem unter der Erde

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Durch die wachsende Globalisierung und Urbanisierung sowie die Digitalisierung des Einzelhandels kommt es zu einem bedeutenden Anstieg des weltweiten Transportaufkommens, dessen Höhepunkt noch lange nicht erreicht ist. So soll sich etwa die Anzahl der in Europa versendeten Pakete bis 2021 um weitere 69 Prozent erhöhen [1]. Diese massive Zunahme verlangt nach neuen Herangehensweisen und Logistikkonzepten, damit alle benötigten Sendungen nachhaltig transportiert und ausgeliefert werden können.

Cargo Sous Terrain, 2013 als Förderverein gegründet und 2017 in die Cargo Sous Terrain AG umgewandelt, möchte hier neue Wege gehen. Die Gesellschaft hat es sich zum Ziel gesetzt, ein Gesamtlogistiksystem 4.0 für die Schweiz zu entwickeln. Das Projekt umfasst ein unterirdisches Gütertransportsystem zwischen städtischen Ballungsgebieten, ein System für die innerstädtische Feinverteilung (letzte Meile) sowie eine integrierte IT-Lösung für die Verwaltung, den Betrieb und die Wartung des gesamten Systems. Gerade erst startete ein erstes konkretes Entwicklungsprojekt mit Fokus auf die innerstädtische Logistik. Die SAP ist einer der Hauptaktionäre der Cargo Sous Terrain AG und gleichzeitig einer ihrer wichtigsten Projektpartner.

Die Idee hinter Cargo Sous Terrain

Laut aktueller Prognosen wird die Zahl der Einwohner im Norden der Schweiz in den nächsten 15 Jahren auf zehn Millionen ansteigen. So wird eine dicht besiedelte Metropolregion entstehen, für die eine geeignete Infrastruktur immer wichtiger wird. Besonders auf Logistik-Unternehmen und Lieferanten kommen damit große Herausforderungen zu: Erwartet werden 37 Prozent mehr Gütertransporte bis 2040, die alle unter den schwierigen geographischen Bedingungen der Schweiz abgewickelt werden müssen.

Im Jahr 2013 schlossen sich die großen Schweizer Einzelhandelsgruppen Coop und Migros sowie große Logistikunternehmen wie SBB Cargo und die Schweizer Post mit weiteren Unternehmen zusammen, um gemeinsam eine Lösung für diese Herausforderungen zu entwickeln. Sie gründeten den Förderverein Cargo Sous Terrain (CST) mit dem Ziel, ein neues, weitgehend automatisiertes und digitales Logistiksystem für die Nordschweiz zu entwickeln. Mit der Zeit kamen weitere Unternehmen hinzu, wie die Züricher Kantonalbank, Mobiliar, Swisscom, Hyperloop One und Cargo Tube. Erst kürzlich wurde CST von einem Förderverein in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Die SAP trat dem Förderverein Anfang 2017 bei und ist nun Aktionär der Cargo Sous Terrain AG.

Die Grundidee von CST ist es, ein unterirdisches Transport- und Logistiksystem aufzubauen, das alle wichtigen Logistik-Hubs in der Region über ein Tunnelsystem miteinander verbindet (siehe Abbildung 1). So könnte der Frachtverkehr auf besonders kritischen Abschnitten der bestehenden Infrastruktur, etwa auf den Autobahnen mit der höchsten Auslastung, um bis zu 40 Prozent reduziert werden.

Abgesehen vom Einsatz eines Tunnelsystems gibt es noch einen weiteren Punkt, der CST von den heutigen Logistikanbietern unterscheidet: CST sieht sich als Gesamtlogistik-Anbieter „von der Quelle bis zur Senke“, der den gesamten Gütertransport einschließlich Abholung und Zustellung abdeckt. Die Gesellschaft positioniert sich als offene Plattform, die nicht mit den etablierten Logistikanbietern in Konkurrenz treten möchte, sondern eine Zusammenarbeit anstrebt. Durch den gesamtlogistischen Ansatz kann CST die geplanten Warenankunftszeiten sehr präzise steuern. Darüber hinaus stellt das Konzept von CST einen Paradigmenwechsel im Transportwesen dar, weg vom Gütertransport mit großen, tonnenschweren LKWs und hin zu einem kontinuierlichen Fluss kleinerer Transporteinheiten von bis zu zwei Paletten. Größere Flexibilität und kürzere Planungszyklen sind die positiven Folgen dieses Konzepts, das die SAP auf verschiedene Arten unterstützen kann. Hierzu zählen die Bereitstellung einer geeigneten Cloud-Plattform sowie die Nutzung verschiedener Innovationen aus dem SAP-Leonardo-Portfolio: IoT-Services für die Echtzeitüberwachung der Fahrzeuge in den Tunneln, maschinelles Lernen für das Erstellen von Bedarfsprognosen oder die Blockchain-Technologie für das automatisierte Verhandeln von Transportverträgen. Dabei erfüllen eine Reihe der geeigneten SAP-Anwendungen wie SAP Supply Chain Execution Platform oder SAP Asset Intelligence Networkbereits heute großenteils die von CST genannten Anforderungen.

Die Logistik von heute und morgen

Zurzeit befindet sich die 2013 gestartete CST-Initiative am Ende der ersten Projektphase. In dieser Phase lag der Fokus auf Machbarkeit, Geschäftsmodell und Gesetzgebung.

Inzwischen sind für das Projekt private Investitionszusagen von über 100 Millionen Schweizer Franken für die zweite Phase eingegangen, die 2019 beginnen soll. Ziel der zweiten Phase wird sein, ein produktives System für den Bereich City-Logistik zu entwickeln, sodass erste positive Cashflows erzeugt werden können. Darüber hinaus sollen ein detaillierter Plan für das Gesamtsystem erstellt und die erforderlichen Genehmigungen eingeholt werden, damit der Bau der Tunnelanlage spätestens 2025 beginnen kann.

Die erste Bauphase des Tunnelsystems soll 2030 abgeschlossen sein und betrifft eine Strecke von Zürich bis Härkingen-Niederbipp. Der Ausbau des Netzes über die gesamte Schweiz soll bis 2045 erfolgen (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Zeitplan der CST-Initiative.

Inhaltlich werden die Arbeiten anhand der drei Hauptkomponenten der CST-Lösung strukturiert:

  1. Eine IT-Plattform, Anwendungen und Geschäftsmodelle für ein Gesamtlogistikangebot für Paletten und Pakete mit garantierten Ankunftszeiten.
  2. Der CST Backbone, bestehend aus Tunnelsystem, Transportfahrzeugen und allem, was zum interstädtischen Frachttransport gehört.
  3. Das City-Logistiksystem für die lokale Feinverteilung in den Städten und die Anbindung von Industriestandorten.

Für viele der CST-Aktionäre ist die City-Logistik von besonderer Bedeutung. Ein gut ausgebautes und reibungslos funktionierendes Logistiksystem für den städtischen Raum ist somit unabdingbar für eine erfolgreiche Inbetriebnahme des Tunnelsystems im Jahr 2030. Daher entschied der Aufsichtsrat der CST, die Arbeiten an diesem Thema unmittelbar zu beginnen, damit bereits während der zweiten Projektphase ein System für den produktiven Betrieb zur Verfügung gestellt werden kann.

Das entsprechende Smart City-/Intercity-Logistik-Projekt lief kürzlich an. Smart bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das geplante System eine Reihe neuer, digitaler Technologien nutzen wird – insbesondere Internet of Things und künstliche Intelligenz. Im Rahmen des Projekts wird ein Konzept für eine schrittweise Einführung der CST-Lösung für die Feinverteilung im städtischen Raum erstellt. Begonnen wird mit einer unabhängigen Smart-City-Logistik-Lösung für Zürich, die dann in einem zweiten Schritt zu einer interstädtischen Lösung ausgebaut wird, die mehrere Städte miteinander verbindet. Zuletzt findet eine komplette Integration dieser Lösung in das CST-Gesamtsystem statt.

Das Smart City-/Intercity- Logistik-System wird mit Fokus auf die Warenempfänger konzipiert und soll allen Transportdienstleistern offenstehen. Weiter werden im Rahmen des Projekts CST-Transportsysteme wie Transportbehälter, autonome Fahrzeuge, städtische Umschlagplätze sowie mobile, autonome Abhol-Stationen eingesetzt. Die SAP informiert Sie auch weiterhin über die Einzelheiten dieser Konzepte.

Weitere Informationen

[1] Cushman & Wakefield Urban Logistics Report 2017: http://www.cushmanwakefield.de/de-de/news/2017/10/urban-logistics-report

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