Fraunhofer IML nimmt Onlineshop-Systeme unter die Lupe

0

In der neuen Studie „Onlineshop-Systeme zur Digitalisierung des Handels“ des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) werden 19 Software-Lösungen untersucht. Neben dem Funktionsumfang der Systeme werden auch zentrale Unternehmenskennzahlen und die strategische Ausrichtung der Anbieter detailliert betrachtet.

Das Angebot an Onlineshop-Systemen ist groß und unübersichtlich. Allein in Deutschland gibt es über 80 Hersteller, die unterschiedlichste Shopsysteme anbieten. Die Auswahl reicht von kostenlosen Einsteigerlösungen mit einer funktionalen Grundausstattung bis hin zu professionellen, Multishop-fähigen Profisystemen. Die Auswahl eines Onlineshop-Systems ist eine Entscheidung von großer Tragweite, da es zu einem weiteren essentiellen Hauptorgan eines unternehmensspezifischen IT-Ökosystems wird und darüber hinaus mit erheblichen Investitions- und Einführungskosten verbunden ist.

Aktuell ist es besonders für KMUs ohne Vorerfahrung im E-Commerce schwierig, einen Überblick über die Vielfalt der angebotenen Lösungen, Funktionen und Abrechnungsmodellen der Systeme zu erhalten. Häufig mangelt es am notwendigen Hintergrundwissen, um die Entscheidung für die Auswahl eines Onlineshop-Systems hinreichend vorzubereiten. Sowohl in der Praxis als auch in der Literatur fehlt es bislang an wissenschaftlich fundierten und hinreichend detaillierten Systemvergleichen von E-Commerce-Lösungen.

Mit der neuen Marktstudie bringt das Fraunhofer IML in Kooperation mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Licht ins Dunkel. Das herstellerneutrale Logistikinstitut, das Unternehmen regelmäßig u.a. im Rahmen von ERP-Projekten unterstützt, untersuchte 19 führende Shop-Lösungen, die auf dem deutschen Markt erhältlich sind. Entscheider finden in der Studie detaillierte Informationen zu allgemeinen und funktionalen Kriterien, die für den Vergleich und die Auswahl eines Onlineshop-Systems relevant sind.

Die neue Studie zeigt neue Trends auf  und unterstützt bei der Auswahl eines Onlineshop-Systems.“
Dietmar Ebel, Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML)

 

 

Heterogene Funktionsumfänge, Lizenz- und Abrechnungsmodelle erschweren den Vergleich

Auf dem Markt gibt es eine Fülle an Systemen mit einer teilweise verschachtelten Struktur an Shopsystem-Editionen. Diese Editionen haben häufig unterschiedliche Leistungsumfänge. Der Markt bietet Open-Source Lösungen (teils kostenlos, teils kostenpflichtig), Lizenzprodukte und Mietlösungen.

Die am weitesten verbreitete Abrechnungsmethode für den Erwerb der Nutzungsrechte ist der klassische Kauf einer Softwarelizenz (95 Prozent). Mietlösungen werden von 68 Prozent der Anbieter, häufig parallel zur Lizenzvariante, angeboten. 26 Prozent der befragten Hersteller bieten Open-Source Editionen an.

„Wer sucht, der findet“ – Suchmaschinenmarketing

Wenn Kunden in einem Onlineshop ein Produkt suchen und dies nicht finden, obwohl es im Produktkatalog enthalten ist, ist dies fatal. Aus diesem Grund sind Suchfunktionen in einem Shop ebenso elementar wie die Funktionen, die das Auffinden des Anbieters im Netz unterstützen.

Nahezu alle Systeme verfügen über umfassende technische und funktionale Instrumente für die Suchmaschinenoptimierung. Die Integration von suchmaschinenfreundlichen URLs, Meta Tags, XML- und HTML-Sitemaps, Rich Snippets sind Beispiele hierfür. Diese Features sind wichtig, um eine gute Platzierung des Onlineshops bei gängigen Suchmaschinen im Internet zu erzielen. 74 Prozent der Anbieter verfügen über eine selbst entwickelte Suchmaschine mit der technischen Möglichkeit der Anbindung einer externen Suchmaschine. Zahlreiche Anbieter zeigen hier eine große Flexibilität.

Responsive Design – ein Must-have

Die Anzahl der Nutzer des mobilen Internets via z.B. via Smartphone und Tablet nimmt von Jahr zu Jahr signifikant zu. Aus diesem Grund sollte ein moderner Onlineshop vollumfänglich responsive sein, was bedeutet, dass das Design des Onlineshop auf unterschiedliche Bildschirmgrößen reagiert und damit unabhängig vom genutzten Gerät eine hohe Nutzerfreundlichkeit der Webseite sowie eine ansprechende Darstellung der Inhalte sicherstellt. Die Ergebnisse zeigen, dass alle Anbieter diese Funktion erfüllen.

Personalisierung ist das A und O im E-Commerce Business

Je besser das Angebot eines Onlineshops an Kundenbedürfnisse ausgerichtet ist, umso höher ist die Konversionsrate, also das Verhältnis zwischen der Anzahl der Besucher einer Webseite und den getätigten Käufen.

Während 89 Prozent der Systeme eine Suggest-Funktion implementiert haben, ist die personalisierte Suche nur bei 47 Prozent der Anbieter eine Standardfunktion. Die Ermittlung von kundenspezifischen Artikelvorschlägen unter Berücksichtigung des Inhalts des Warenkorbs und / oder der Kaufhistorie eines Kunden gehört nicht zum Standardrepertoire aller Systeme. Dies ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass für personalisierte Suchfunktionen Algorithmen implementiert sein müssen, die das Such- und Kaufverhalten von Kunden aus der Vergangenheit und Gegenwart analysieren und das Ergebnis daraus quasi in Echtzeit präsentieren. Hier zeigt sich ein klares Differenzierungsmerkmal der Systeme.

Auf die richtigen Schnittstellen kommt es an

Unternehmen, die beabsichtigen ihre Handelsprozesse zu digitalisieren bzw. das Onlinegeschäft als zusätzlichen Vertriebskanal aufzubauen, sollten sich Gedanken über ihre aktuelle und künftige IT-Systemlandschaft machen. Gibt es z.B. ein Warenwirtschafts- oder ERP-System und soll dieses mittel- bis langfristig beibehalten werden? Existieren Schnittstellen zu Logistikdienstleistern? Ist eine Anbindung des Onlineshops an ein oder mehrere Marktplätze gewünscht? Wo werden Stammdaten gehalten?

Die Vielfalt der Fragen zeigt, dass eines der wichtigsten Kriterien für eine erfolgreiche und effiziente Onlineshop-Implementierung der Informationsaustausch (Import und Datenübertragung) von Daten zwischen bereits vorhandenen und künftigen IT-Systemen ist. Im Rahmen der Studie wurde untersucht, inwieweit die betrachteten Systeme standardisierte Schnittstellen zu u. a. ERP- und Webtracking-Systemen, Systemen von Logistikdienstleistern, von Payment-Service-Providern in ihrem Leistungsumfang mitbringen. Die Ergebnisse zeigen, dass der überwiegende Teil der Anbieter bereits sehr gut aufgestellt ist.

„Das Thema Handel 4.0 kommt bei den Onlineshop-Systemanbietern langsam aber sicher an“
Katharina Kompalka, Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML)

 

Handel 4.0 – Innovativ, innovativer am innovativsten?

Auch Hersteller von E-Commerce Lösungen kommen an der Digitalisierung nicht vorbei, wenn sie ihre Wettbewerbsposition langfristig sichern wollen. Die Studienergebnisse zeigen, dass es bereits einige Anbieter gibt, die ihre Geschäftsstrategie auf das Thema Industrie 4.0 / Handel 4.0 und Digitalisierung geschärft haben. Sie sind dabei in der Lage eine Reihe an innovativen Industrie- und Forschungsprojekten vorzuweisen. Dies ist jedoch eher die Ausnahme. Von einer klaren Ausrichtung aller Anbieter auf den digitalen Wandel (Integration moderner, bereits verfügbarer Technologien wie z.B. AR, VR, Machine Learning bis hin zur Künstlichen Intelligenz) kann aktuell nicht die Rede sein. Es sind aktuell eher die größeren Anbieter, die sich mit der Digitalen Transformation und den daraus erwachsenden Möglichkeiten intensiv auseinandersetzen.

Die vollumfängliche Marktstudie des Fraunhofer IML wird im September 2018 veröffentlicht. Ansprechpartner sind Katharina Kompalka (katharina.kompalka@iml.fraunhofer.de) und Dietmar Ebel (dietmar.ebel@iml.fraunhofer.de) vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML)

Artikel kommentieren