Storage-Trends: Daten, nichts als Daten

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Neue Technologien, die für verschiedene Branchen taugen, entstehen nach wie vor in der Welt von Start-ups. Oft versuchen sie, Technologien aus der “alten Welt” mit neuen Ansätzen aus verschiedenen Open-Source-Bewegungen miteinander zu verbinden.

Ende Juni 2018 besuchten wir, eine Gruppe europäischer und amerikanischer Journalisten, Hersteller von Speicher-Produkten und -Management-Software im Silicon Valley und in San Francisco. Nicht alle sind taufrische Start-ups, manche blicken auf eine lange Vorbereitungszeit (auch “Stealth-Mode” genannt) zurück, und andere wiederum sind schon Jahrzehnte lang in der Storage-Branche aktiv und versuchen sich angesichts der Welle disruptiver Entwicklungen neu aufzustellen.

StorONE: TRU-Software holt das Beste aus jeder Storage-Hardware heraus

Das Motto des vor sieben Jahren gegründeten israelischen Start-ups lautet “Think results. Immediate RoI.” Gal Naor und Raz Gordon, die beiden Co-Founder, blicken auf eine lange Zeit in der IT-Industrie zurück: CEO Naor verkaufte sein früheres Unternehmen StorWize 2012 an IBM (wo es ähnlich wie XIV von Moshe Yanai bald glanzlos in dem zugekauften Storage-Park des ins Strudeln geratenen Konzerns unterging), während CTO Gordon eine führende Rolle bei der Netzwerktechnologie Galileo hatte, die 2001 für 2,7 Milliarden Dollar an Marvell verkauft wurde.

Die in sieben Jahren eher klammheimlich entwickelte Speichertechnologie von StorONE geht davon aus, dass die Entwicklung der Hardware-Komponenten, ob proprietär oder commodity-basiert, an ihr Ende gelangt ist. Es komme jetzt vielmehr darauf an, die vorhandenen Ressourcen optimal auszuschöpfen und zu verwalten. Das führe für die Anwender außerdem zu außerordentlichen Einsparungen, da sie nicht mehr für teure proprietäre Hardware bezahlen müssten, sondern sich auf preiswerte Commodity-Ptrodukte verlassen können.

Die Software TRU (Total Resource Utilisation) unterstützt File-, Block- und Object-Storage auf den gleichen Plattensystemen in einem Server: NVMe, SAS, SATA SSDs und Festplatten. Um maximale Performance zu erreichen, müssen die Unternehmen nicht ständig in neue Hardware investieren, lautet die Kernbotschaft von StorONE: Der Einsatz der TRU-Software reiche aus. Für die Anwender, so StorONE-CEO Naor, spielt es auch kaum noch eine Rolle, ob ihre Anwendungen on-prem, in der Cloud oder in einer Multi-Cloud-Umgebung abgelegt würden.

StorONE hält sich noch immer etwas bedeckt bei den Einzelheiten des Hardware-Management. Die Strategie zur Eroberung des Marktes setzt auf erste große Installationen bei Kunden, um damit eine größere Aufmerksamkeit zu erreichen. Naor will mit seinem neuen Unternehmen zudem vermeiden, zu schnell vom Markt weggekauft zu werden. Man kooperiert nicht mehr mit Venture Capitalists wie noch bei StorWize, die auf schnellen Gewinn aus sind, sondern mit strategischen, langfristig orientierten Geldgebern wie Seagate, GIZA Venture Capital oder privaten Investoren wie John Thompson und Ed Zander.

Portworx: Container und “Cloud Native Storage”

Das Start-up, 2014 gegründet von Murli Thirumale und Gou Rao (beide früher bei Dell, Citrix und Ocarina), will die Vorteile von Storage und Containern miteinander verbinden. Es versucht insofern, proprietäre und Open-Source-Komponenten in eine gemeinsame Lösung einzubinden. Die traditionelle Speicher-Infrastruktur kann von der cloud-native Infrastruktur lernen, sagt Thirumale. Container bringen eine neue Perspektive, da sie auf die Unterstützung von Applikationen ausgerichtet sind, während virtuelle Maschinen hardware-orientiert sind und die Aufteilung von Ressourcen unterstützen, was den IT-Abteilungen viele neue technische Möglichkeiten und Einsparpotentiale eröffnet hat. Neben Containern unterstützt Portworx die Koordinierungs-Software Kubernetes, da sich diese gegen andere Lösungen wie zum Beispiel Mesosphere am Markt durchgesetzt habe.

Portworx bietet den Unternehmen mit “3D Snap” eine Applikation an, mit der sie zuverlässig und dauerhaft Snapshots und Restore von Daten zwischen verschiedenen Clouds organisieren können. Dies ist besonders nützlich, um Testergebnisse auf eine andere Testumgebung zu schicken, um Testergebnisse für eine produktive Umgebung zur Verfügung zu stellen oder um produktive Ergebnisse aufs Neue zu testen.

Portworx positioniert sich mit Containern klar gegen traditionelle Technologien.

Man ist sich bei Portworx bewusst, dass es bei Containern Probleme wie ihre Lebensdauer, Verfügbarkeit oder den Schutz der Daten geben kann. Bei Encryption, Backup und Restore von Containern arbeitet man deshalb mit Anbietern wie Vault, Docker, Amazon AWS oder Datadog zusammen.

Zu den Kunden von Portworx gehören Cloud Provider, Vertix und in Deutschland Lufthansa Systems und T-Mobile. Man arbeitet außerdem eng mit General Electric (GE) zusammen. Bisher konnte man 28,5 Millionen Dollar an Venture Capital aufnehmen.

HYCU: Ein spezielles Tool für Nutanix-Storage

Das Unternehmen HYCU (Hyperconverged Uptime) mit Hauptsitz in Boston ist aus dem Service-Anbieter Comtrade hervorgegangen, der seit 25 Jahren Outsourcing und andere Services bereitstellte und über ein Team von 1.000 Entwicklern verfügte, die zum Teil in Ljubljana (Slowenien) stationiert waren. Eine Software-Division von Comtrade, die sich mit Monitoring und Management von Citrix-Umgebungen beschäftigt hatte, wurde von Citrix gekauft.

In ähnlicher Weise widmete sich Comtrade der Speicherlösung des sehr erfolgreichen Start-ups Nutanix, das inzwischen an die Börse gegangen ist, um seine Unabhängigkeit zu verteidigen. HYCU sieht laut CEO Simon Taylor seine Aufgabe darin, Nutanix bei dem Backup auf der Kundenseite zu unterstützen. Hyper-converged Infrastrukturen sind laut Taylor- zwar relativ einfach zu installieren und zu betreiben, die Datensicherung sei jedoch eine komplexe Aufgabe. In Abstimmung mit Nutanix bietet man deshalb die Bereitstellung von Backup und Restore an, u.a. mit Programmen von Veeam. 300 Entwickler in Ljubljana arbeiten an besonderen Lösungen für Nutanix-Installationen.

HYCU unterstützt Nutanix mit angepassten Lösungen.

Innerhalb eines Jahres ist es gelungen, in 27 Ländern vertreten zu sein, um Nutanix-Kunden vor Ort zu unterstützen. Dieser Ansatz war so erfolgreich, dass sich Comtrade in HYCU umbenannte und voll auf Nutanix einstellte. Das Unternehmen ist in Privatbesitz und stützt sich nicht auf Investitionen durch Venture Capitalists. Nutanix ist laut HYCU mittlerweile in zehn Prozent der Rechenzentren weltweit vertreten, und man wolle dem Partner dabei helfen, in 100 Prozent der Rechenzentren präsent zu sein.

HYCU bietet jetzt für Nutanix auch Unterstützung von SAP HANA und von IBM Power CS Series an. Für längerfristige Speicherung und Archivierung von Daten in Nutanix-Umgebungen wird darüber hinaus LTFS (Linear Tape File System) unterstützt.

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