Digitalisierung modernisiert ERP-Systeme

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ERP (Enterprise Resource Planning) gehört nicht nur bei Retailern zu den Standardanwendungen. Neue digitale Plattformen versprechen eine cloud-basierte Optimierung und neue Bezahlmethoden.

Der Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien) hat ein aktuelles “Positionspapier Digitale Plattformen und ERP” veröffentlicht, in dem es um die Zukunft der ERP-Applikationen geht. ERP kümmert sich in der Mehrheit der Unternehmen um die elektronische Organisation von Beschaffung, Produktions- und Vertriebssteuerung, Verkauf sowie um Zahlungsaus- und eingänge. Dank ERP-Systemen sind eine Vielzahl von Geschäftsprozessen in Unternehmen längst digitalisiert, schreiben die Autoren des Positionspapiers. Und fügen hinzu:  „Doch die fortschreitende Digitalisierung führt auch dazu, dass sich die ERP-Welt wandelt: Der Trend geht weg von zentralen monolithischen Software-Lösungen, die in der Vergangenheit dominiert haben, hin zu vernetzten digitalen Plattformen.”

Die Zukunft gehöre modularen ERP-Lösungen, die auch cloud-basiert den Anwendern Möglichkeiten bieten, wie man sie heute von den Smartphones kenne: “Statt eine ERP-Software aus einer Hand zu kaufen, greifen die Unternehmen für unterschiedliche Funktionen auf Einzelanwendungen zurück, die dank definierter Schnittstellen miteinander kommunizieren und Daten austauschen können.” Neue digitale Plattformen integrieren Anwendungen von Drittanbietern, während Entwickler gleichzeitig die Möglichkeit erhalten, eigene Lösungen einzubinden.

Frank Termer, Bereichsleiter Software beim Bitkom, erläutert diesen Trend: „Digitale Plattformen geben in Zukunft den Kunden bislang unbekannte Freiheit bei der Auswahl der Anbieter und Entwicklern die Chance, auf mehreren Plattformen vertreten zu sein. Diese Veränderung stellt die Anbieter aber auch vor neue Herausforderungen.“

Als vor etwa 50 Jahren die ersten Software-Häuser mit der Idee für die Entwicklung von standardisierten Unternehmenslösungen entstanden, war laut Bitkom “die Vorstellung revolutionär, Geschäftsprozesse in ihren Basisfunktionen so zu verallgemeinern, dass sie für viele (im Idealfall alle) Unternehmen nützlich sein konnten. Das gelang vor allem in der Buchhaltung und der Produktionsplanung.” Später kamen standardisierte Lösungen für Einkauf, Verkauf oder Logistik hinzu, so dass fast alle Unternehmensressourcen zu Bestandteilen einer integrierten Komplettlösung wurden. Doch diese Lösungen für das Enterprise Resource Planning, die anfangs meistens auf Mainframes liefen und später die Windowswelt eroberten, haben nach Ansicht des Bitkom einen Nachteil: “Sie sind vollkommen monolithisch.”

Das Fazit des Bitkom lautet: “ERP-Programe sind für Anwender in der Regel eine Entscheidung auf Lebenszeit. Wer sich für ein ERP-System entscheidet, entscheidet sich auch für den Entwicklungspfad des Anbieters. Es ist immer noch äußerst komplex, Funktionen von anderen Anbietern einzubinden. Enterprise Application Integration ist deshalb eine hohe Kunst, denn es geht darum, Best-Practice-Funktionen von unterschiedlichen Anbietern zu einem integrierten System zusammenzufassen.”

Diese Situation erfährt jetzt durch Cloud Computing und durch Plattform Computing eine neue Dynamik: “In dem Maße, in dem Funktionen als Services oder Apps über die Cloud angeboten werden, erhalten Anwender die Freiheit, zusätzliche Fach- oder Branchenfunktionen über APIs zur bestehenden Unternehmenslösung hinzuzufügen. Ja mehr noch: die Unternehmenslösungen selbst bewegen sich aus der Installation vor Ort (On Premise) in die Cloud (On Demand) und werden dort als kombinierbare Cloud-Services angeboten.”

Diese Entwicklung hat auch zur Folge, dass sich das Geschäftsmodell der meisten ERP-Anbieter von einem Modell aus Lizenz- plus Wartungsgebühren hin zu einem Subskriptionsmodell wandeln werde. Beim Bitkom heißt es dazu: „ERP-Anbieter sollten vor dieser Entwicklung nicht die Augen verschließen und sich frühzeitig Gedanken darüber machen, welche Rolle sie in diesem Ökosystem spielen möchten – ob als Betreiber einer eigenen Plattform oder als Teil einer bestehenden.“

Ein kostenloser Download des Positionspapiers „Digitale Plattformen und ERP“ findet sich hier: www.bitkom.org/Bitkom/Publikationen/Digitale-Plattformen-und-ERP.html

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