SAP und Telekom: Logistik mit dem Internet der Dinge

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Von der Kontaktlinse über das Smartphone-Ladekabel bis zur Zahnbürste – immer mehr und immer kleinere Pakete reisen um die Welt. Und Online-Käufer möchten ein genaues Lieferdatum sehen, bevor sie ihre Bestellung absetzen. Die Logistik wappnet sich und digitalisiert.

Eine Lösung von der Deutschen Telekom und SAP bringt Positions- und Zustands­daten aus der Supply Chain live in SAP-Systeme und hebt dort Potenziale in der Geschäftsabwicklung. 55 Milliarden Tonnen Fracht waren noch 2015 weltweit unterwegs, bis 2024 werden es rund 92 Milliarden sein, so die Prognose von Transparency Market Research aus dem vergangenen Jahr. Die Gründe hierfür: wachsender Welthandel, steigende Exporte und der boomende E-Commerce. Laut Statistischem Bundesamt kaufen mehr als 47 Millionen Deutsche heute online. Die Folge: Die Menge der Pakete, die um die Welt reisen, wächst. Zugleich sind immer mehr kleine Sendungen unterwegs. Dabei erwarten die Online-Käufer, noch bevor sie ihre Bestellung abschließen, eine möglichst genaue Zusage, wann die Sendung eintreffen wird. So zeigt eine im Jahr 2015 europaweit durchgeführte Studie von Metapack, einem Anbieter von Versandlösungen, dass bereits jeder Zweite eine Bestellung im Web-Shop vorzeitig beendet hat, weil der Liefertermin nicht den Erwartungen entsprach.

Sensordaten aus der Lieferkette

Immer mehr Fracht schnell und termin­gerecht ans Ziel zu bringen, ist daher die zentrale Herausforderung im Transportwesen. Dabei muss der Kontakt mit dem Endkunden gehalten werden – laufende Transparenz zum aktuellen Status der Sendung ist nötig. Mit welchen Strategien die Branche reagiert, hat der Bundesverband Logistik (BLV) im vergangenen Jahr untersucht. Die 1.350 befragten Logistikexperten wollen vor allem ihre Geschäftsprozesse digitalisieren, um dem wachsenden Kostendruck und der steigenden Komplexität der Lieferketten Herr zu werden. Supply Chains sollen transparenter und die beteiligten Partner besser vernetzt werden. Weiterer Impuls: Die Branche will datengestützte Prognosen nutzen und über Sensoren beispielsweise Warenströme erfassen, um Lieferprozesse zu verbessern und kostengünstiger zu gestalten. Aber 60 Prozent der Befragten bekennen, dass ihnen solche Daten bisher fehlen.

SAP und Telekom bringen die Daten ins SAP-System

Eine Möglichkeit, die Supply Chain zu digitalisieren, haben SAP und die Telekom auf der diesjährigen Hannover Messe vorgestellt. Die Unternehmen haben Schnittstellen für den Datenaustausch zwischen der IoT-Plattform (Internet of Things) der Telekom und der Cloud-Plattform von SAP entwickelt und zertifiziert. Mit der Lösung verfolgen Anwender per Sensordaten aus dem IoT die Warenbewegungen. Die Echtzeit-Daten werden direkt im SAP-System konsolidiert. Die nötige Datenbasis kommt vom Telekom-Partner Roambee. Das Start-up aus dem Silicon Valley hat verschiedene Hardwarekomponenten im Portfolio: Die BeeFleets bestimmen stetig ihren eigenen Standort und messen Temperatur, Luftfeuchtigkeit sowie Erschütterungen. Sie lassen sich über die Schnittstelle OBD II im Fahrzeug installieren. Container und Trailer behalten die Bees im Blick. Kompakter als die BeeFleets sind sie magnetisch zu befestigen oder einer Lieferung beizulegen und verfügen über acht Sensoren. Für einzelne Pakete eignen sich die BeeBeacons. Via Bluetooth LE kommunizieren sie mit den Bees und dokumentieren so Verladevorgänge oder Transportlisten. Als Datentreuhänder managt die Deutsche Telekom die so generierten Echtzeitdaten, sorgt für Schutz und Sicherheit und integriert sie in SAP-Applikationen wie Vehicle Insights, Global Track and Trace oder Connected Goods. So arbeiten von der Buchhaltung bis zum Zentrallager alle ­Abteilungen mit Live-Daten und integrieren sie automatisch in ihre Geschäftsprozesse. Dies kann z. B. für die digitale Routenplanung genutzt werden. Unternehmen berechnen genaue Ankunftszeiten und optimieren Routen dynamisch, um den Kraftstoffverbrauch zu senken. Weiterhin sorgt die Einbindung von Künstlicher Intelligenz etwa für die Verbesserung von Standard-Abläufen und die Verkürzung von Reaktionszeiten.

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