Retouren: Aufgebügelt, gefaltet, wieder eingeschweißt

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Amazon soll zurückgeschickte Artikel in großem Ausmaß vernichten. Diese Meldung sorgte für Empörung, nachdem sie von der TV-Sendung “Frontal 21” und von der “Wirtschaftswoche” verbreitet worden war.

Auch andere Versandhändler wie Zalando oder die Otto-Gruppe (otto.de, bonprix.de, baur.de, aboutyou.de) kämpfen mit den Tücken des Widerrufsrechts, das es den Verbrauchern in einem Zeitraum von zwei Wochen erlaubt, Artikel ohne Begründung zurückzugeben.

Zeugen haben bekundet, dass Amazon jeden Tag Waren im Wert von mehreren zehntausend Euro zerstören würde. Betroffen seien zum Beispiel Kleidung, Waschmaschinen, Kühlschränke, Rasenmäher oder Lebensmittel, berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ).

Amazon verweist darauf, dass die zurückgeschickten Waren geprüft, repariert, neu verpackt und wieder auf der Webseite Amazon Warehouse angeboten oder karitativen Organisationen zur Verfügung gestellt werden. Offensichtlich werden aber auch Kalkulationen darüber angestellt, ob nicht eine komplette Entsorgung oder Vernichtung dieser Produkte weniger Kosten verursacht.

Volkssport Ausprobieren

Die FAZ zitiert einen Mitarbeiter von Hermes Fulfilment (ebenfalls Teil der Otto-Group), dass etwa 40 Prozent aller online gekauften Kleidungsstücke zurückgeschickt werden. Und laut der Universität Bamberg kommt es in Deutschland pro Jahr etwa zu 280 Millionen Rücksendungen. Dieses Phänomen war schon zu der Blütezeit der klassischen Versandhändler wie Quelle oder Neckermann bekannt – zu günstigen Ratenkonditionen etwas bestellen (vor allem Kleidung) – und dann in Ruhe vor dem heimischen Spiegel ausprobieren, ob es auch wirklich passt.

Bei der Otto-Gruppe, dem umsatzstärksten deutschen Online-Shop für Bekleidung, hat man in Hamburg eines der größten Rücksendezentren Europas gebaut, um bis zu 50 Millionen Produkte in Empfang zu nehmen und über die Weiterverwendung zu entscheiden. Pro Tag fallen bis zu 200.000 Stück an.

Alle Online-Versender sind darum bemüht, Retouren schon im Vorfeld auszuschalten – zum Beispiel durch Hinweise auf die Schonung der Umwelt oder durch besondere Hilfen bei der Auswahl von Größen oder Farben.

Die FAZ schreibt: “Zurückgeschickte Artikel werden vom Online-Händler in der Regel nicht gewaschen, sondern wenn überhaupt nur aufgebügelt, ordentlich gefaltet und dann wieder eingeschweißt.”

Vielleicht ist die Methode von Amazon doch die allerbeste.

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