Payment-Dienstleister für den Omnichannel-Handel

0

Zahlungsdienste für den stationären wie für den Online-Handel sind eine der wichtigsten Komponenten in der Wertschöpfungskette eines Händlers. Diese Services gehen inzwischen weit über die simple Abwicklung einer Zahlung am physischen, mobilen oder virtuellen Point of Sale hinaus. Betrugserkennung, Analytik sowie Datensicherheit gehören mittlerweile zu den Aspekten, mit denen sich die Anbieter profilieren.

Ganz gleich, ob ein Händler heute eine Multi-, Cross- oder Omnichannel-Lösung einführen will – im Mittelpunkt muss immer auch der Kunde stehen. Ist sein Kunde besser mit Services versorgt, steigt auch seine Conversion Rate und damit sein Umsatz. Im Multichannel-Handel stehen die Kanäle unverbunden nebeneinander, im Cross-Channel werden einige verknüpft, doch erst der Omnichannel-Handel erreicht nahtlos alle Kunden jederzeit über alle verfügbaren Kanäle. Daher ist Omnichannel-Fähigkeit ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl eines Payment-Dienstleisters.

Die folgende Übersicht berücksichtigt die Payment Service Provider (PSP) Computop, Adyen, Six, Wirecard und PayPal. Für Händler hat die Zusammenarbeit mit einem PSP den Vorteil, dass er nicht alle Zahlungsdienste und Acquirer einzeln in den Onlineshop implementieren muss, sondern dies über den PSP bündeln kann.

  1. Adyen 

Adyen unterstützt den Omnichannel-Handel mit der Unterstützung zahlreicher Mobilgeräte wie Handy, Tablet oder PoS.

Wenn sich Kunden ein durchgehendes und einheitliches Kauferlebnis online, mobil und im Geschäft wünschen, sollte eine Omnichannel-Komplettlösung zum Einsatz kommen. Eine solche Plattform ohne Brüche will Adyen bieten. Der Händler kann damit internationale Karten akzeptieren und lokale Zahlungsmethoden anbieten.

Mit Adyens Analyse-Tools lassen sich Kundenprofile, Muster und Trends ermitteln. Diese Einblicke helfen, die Conversion Rate zu optimieren. Das Tool ShopperDNA erstellt einen ganzheitlichen Überblick über den Käufer hinter jeder Transaktion. Möglich wird dies durch die Nutzung von Erkennungsalgorithmen, geschütztem Device-Fingerprinting und Netzwerkinformationen zur Nachverfolgung von Geräten, Netzwerken und Online-Profilen. So kann der Händler Betrüger trotz deren Anpassung an sein Sicherheitssystem sperren. Um weitere Betrugsversuche zu erkennen und abzuwehren, bietet Adyen mit „RevenueProtect“ ein integriertes Risikomanagement-Tool, das „effektiv vor Betrug schützt.

Ein weiteres Werkzeug ist RevenueAccelerate. Es soll dem Händler helfen, auch ältere Zahlungssysteme zu akzeptieren. Es verwandelt fälschlich abgelehnte Kartentransaktionen in zusätzliche Einnahmen. Die datengesteuerte Suite arbeitet mit automatisierten Tools im Hintergrund jeder Zahlung, um so Autorisierungsraten optimal zu steuern.

3D-Secure und die Folgen

Die meisten Händler müssen sich aus Compliance-Gründen und auf Kundenwunsch hin um Datensicherheit kümmern. Seit 2015 ist für Kreditkartenzahlung im E-Commerce eine Zwei-Faktoren-Authentifizierung des Kunden gesetzlich vorgesehen. Obwohl der Checkout-Prozess damit für den Kunden deutlich komplexer wird, sichern inzwischen 82 Prozent der Händler Kreditkartenzahlungen mittels sogenannten 3D-Secure-Verfahren (z.B. Verified by Visa oder Mastercard Secure Code) ab. Das fand das EHI-Institut 2018 heraus. „Lediglich 18 Prozent der Händler verzichten grundsätzlich auf die Nutzung von 3DS, im Vorjahr waren es noch 27 Prozent“, sagt EHI-Expertin Caroline Coelsch.

„Die Händler gehen davon aus, dass die Sicherheitsvorkehrungen nicht ohne Folgen bleiben: 73 Prozent befürchten eine erhöhte Abbruchrate und 59 Prozent sind der Meinung, dass der Zahlungsvorgang komplexer wird.“
EHI-Expertin Caroline Coelsch

Adyen Dynamic 3-D Secure ist ein Tool, das sich sowohl auf Chargebacks als auch auf die Conversion Rates positiv auswirken kann. Mit Performance-Tracking-Logik leitet das oben erwähnte Tool „RevenueProtect“ dynamisch nur Transaktionen mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit an 3-D Secure weiter. So kann der Händler seine finanzielle Haftung reduzieren und gleichzeitig sicherstellen, dass Transaktionen zahlungsfähiger Kunden autorisiert werden. Online findet sich eine Preisliste, die eine konkrete Vorstellung von Adyens Gebührenstruktur vermittelt.

  1. Computop

Auch Computop sieht seine Bezahlplattform „Paygate“ für den Omnichannel-Handel gerüstet. Paygate garantiere sicheres Bezahlen auf allen Kanälen – mobil, online, am Telefon oder am PoS. Der Händler könne aus über 200 Zahlungsmethoden und Acquirer-Banken weltweit diejenige wählen, welche am besten zum jeweiligen Kunden passt. An Services bietet Paygate In-Store Retoure, Click-and-Collect und Instore-Bestellung. Sowohl Mailorder als auch Telefonorder seien in Paygate integriert.

Computop bezeichnet sich als „der erste deutsche Zahlungsdienstleister mit P2PE-Zertifizierung“: zentrales Processing und eine detaillierte Auswertung mit dem einheitlichen Computop Settlement Files (CTSF) für alle kanalübergreifenden Zahlungen.

  1. Six

Die besondere Stärke des aus der Schweiz stammenden Dienstleisters SIX besteht in einer mobilen App namens TWINT, die von den „größten Schweizer Banken“ unterstützt werde. Für Schweizer Kunden sei das Vorgehen am Zahlterminal genau dasselbe wie bei Kartenzahlungen. Neben Twint unterstützt Six auch Alipay, Apple Pay, Samsung Pay und Bellamy. Ein „mehrstufiges Sicherheitssystem“ mit eindeutiger Kundenidentifizierung soll bei jeder Transaktion für maximale Zuverlässigkeit sorgen.

Six ist in ganz Europa tätig und ermöglicht länderübergreifende Zahlungsabwicklung. Der Dienstleister akzeptiert mehr als 100 verschiedene Währungen und überweist in 20 Währungen , wobei die dynamische Währungsumrechnung (Dynamic Currency Conversion) zum Einsatz kommt. Six beansprucht, die „höchsten Sicherheitsstandards“ einzuhalten und über „die effektivsten Präventionsmaßnahmen gegen Betrugsversuche“ zu verfügen. Die auf dem JSON-Standard basierende RESTful-API (Programmierschnittstelle) erlaubt das Händler-Onboarding und die Verarbeitung von Transaktionen aller Art.

Die Kopplung von stationärem und Online-Handel wird versprochen, aber der Begriff „Omnichannel“ lässt auf der Webseite an keiner Stelle aufspüren. Auch die Funktion „MyAnalytics“ ist bislang nur für Schweizer Kunden reserviert. Der Support des Händlers erfolgt durch vier unterschiedliche Service Pakete.

  1. Wirecard

Die Multi-Channel Payment Gateway von Wirecard ist mit 200 internationalen Zahlungsnetzwerken (Banken, Zahlungslösungen, Kartennetzwerken) verbunden. Sie stellt Zahlungs- und Acquiring-Akzeptanzen über die Wirecard Bank und globale Bankpartner inklusive der integrierten Risiko- und Fraud-Management-Systeme zur Verfügung. Neben der Principal Membership bei Visa und MasterCard bestehen Acquiring-Lizenzvereinbarungen mit JCB, American Express, Discover/Diners und UnionPay. Bankdienstleistungen wie Währungsmanagement ergänzen die Auslagerung der Finanzprozesse.

Für den Einsatz von Risikomanagement-Technologien zur Minimierung von Betrugsszenarien bzw. zur Betrugsprävention stehen Tools wie die Fraud Prevention Suite (FPS) bereit. Altersverifikation, KYC-Identifikation (Know-your-Customer), die Analyse mittels Device Fingerprinting, Hotlists und vieles mehr fließen in Risikomanagement-Strategien ein.

Neben vielfältigen Issuing-Lösungen mit starker Berücksichtigung von Security bietet Wirecard auch ein E-Wallet an, um mobile Zahlungen zu erlauben. Die Wallet-Lösung basiert auf einer Plattform, die das Führen von Guthaben-Konten ermöglicht und Kunden-Legitimierungsprozesse (KYC), Peer-to-Peer-Geldtransfers sowie verschiedene Aufladeprozesse technisch unterstützt. Die Wallet-Lösung unterstützt sowohl Zahlungen im Internet, über das Handy (In-App Payment) als auch im stationären Handel über NFC und QR-Codes. Hier findet man eine Produktübersicht.

  1. PayPal

Die käuferseitigen Services des führenden E-Wallet-Anbieters, der allein in Deutschland nach eigenen Angaben 20,5 Mio. Kunden aufweist, kennen auch viele Händler. Die verkäufer-seitigen Services reichen weiter. Im Wesentlichen handelt es sich um PayPal Plus und PayPal Express.

PayPal Plus umfasst Zahlungen per PayPal-Überweisung, Lastschrift, Kreditkarte, Kauf auf Rechnung (nach Prüfung), Ratenzahlung auf Anfrage und Checkout. Die Gebühren pro PayPal PLUS Transaktion: belaufen sich auf max. 2,49 Prozent + 0,35 EUR. Je nach Umsatzvolumen sind auch geringere Gebühren möglich, beispielsweise 1,79 Prozent. Für internationale Transaktionen können die Gebühren ebenfalls abweichen.

Ähnlich wie beim Käuferschutz bietet PayPal auch Verkäuferschutz für alle o.g. PayPal PLUS Zahlarten. Die Gutschrift des Transaktionsbetrags auf das Verkäufer-PayPal-Konto erfolgt unmittelbar nach Kaufabschluss. Der Checkout ist laut Dienstleister für die Nutzung auf Mobilgeräten „optimiert“. PayPal unterstützt die Einbindung von weiteren Bezahlmethoden (auch von Dritten) und die Integration in führende Shopsysteme.

Wie sein Name schon andeutet, soll PayPal Express den Bezahlweg für Kunden schneller, bequemer und reibungsloser gestalten: „Mit nur einem Klick gelangen Ihre Kunden ohne Umwege direkt von der Produktseite oder dem Warenkorb zur PayPal-Bezahlseite“, verspricht der Anbieter. Der Bestellprozess ist also mit PayPal Express besonders kurz und bequem. So kann der Händler in der Regel Kaufabbrüche reduzieren und die Kaufabschlüsse steigern. Mobile Payments werden wie bei PayPal plus unterstützt.

Das PayPal-Geschäftskonto ist kostenlos. Erst wenn der Händler Zahlungen empfängt, fällt eine Gebühr an. Bezahlen in Euro ist gebührenfrei. Erst beim Verkauf erhebt PayPal eine Gebühr. Der Verkäufer zahlt in den meisten Fällen 1,9 Prozent + 0,35 Euro pro Transaktion und noch weniger, wenn er mehr verkauft.

 

Artikel kommentieren