Junge Erwachsene verschulden sich beim Online-Handel

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Eine Trendumfrage des „Bundesverband deutscher Inkasso-Unternehmen“ zeigt: Junge Verbraucher sind tendenziell die schlechtesten Zahler. Darunter leiden vor allem Online-Händler, Telekommunikationsunternehmen und Fitness-Studios.

Die Ergebnisse der aktuellsten Trendumfrage des BDIU zur Zahlungsmoral scheinen auf den ersten Blick erfreulich: Verbraucher zahlen ihre Rechnungen genau so gut oder sogar besser als zu Beginn des Vorjahres – aber eben nicht alle. Junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren gehören zu den Ausnahmen. Hauptgrund: Zu hohe Konsumausgaben, Hauptleidtragende: Online-Händler. 81 Prozent der verschuldeten jungen Verbraucher stehen dort in der Kreide, 76 Prozent bei Telekommunikationsunternehmen und immer noch 67 Prozent bei ihren Fitnessstudios.

Beliebt, aber riskant: Der Kauf auf Rechnung

Der Kauf auf Rechnung ist die bei Kunden beliebteste Bezahlvariante: Sie können sich mit dem Bezahlen der Ware Zeit lassen, bis sie sie erhalten und geprüft haben, und bei Nichtgefallen oder einer fehlerhaften Lieferung müssen sie sich keine Sorgen um die Rückerstattung machen. Für Händler überwiegen dagegen die Nachteile: Sie müssen ihre Lieferungen über einen längeren Zeitraum vorfinanzieren, riskieren Zahlungsausfälle und müssen einen erheblich höheren administrativen Aufwand treiben, als es bei anderen Bezahlvarianten nötig wäre. Einzig im Fall von Rücksendungen profitieren Händler: Sie sparen den administrativen Aufwand für eine Rücküberweisung des Kaufpreises.

Die beliebteste Bezahlmethode im E-Commerce ist der Kauf auf Rechnung. Das ist ein Warenkreditgeschäft, der Kunde erhält die Ware sofort und zahlt erst später. Für den Händler ist das umsatzsteigernd, aber ein Risiko. Er muss wissen, ob der Kunde real existiert und seine Rechnungen bezahlt – und das rund um die Uhr und sekundenschnell.
– Michael Freytag, Vorstandschef der Schufa

Es gibt eine Reihe von Dienstleistern und Auskunfteien, die anbieten, die Bonität eines Kunden zu prüfen, bevor der Händler ihm einen Kauf auf Rechnung gewährt. Doch Achtung: Dabei überträgt der Händler personenbezogene Daten seiner Kunden an einen externen Dienstleister. Das darf er unter Aspekten des Datenschutzes nur, wenn er

a) ein überwiegendes berechtigtes Interesse geltend machen kann, oder

b) sein Kunde sein ausdrückliches Einverständnis erklärt hat.

Ein überwiegendes berechtigtes Interesse hat der Händler, wenn er – etwa bei der Zahlungsart „Kauf auf Rechnung“ in Vorleistung treten soll. Allerdings muss er den Kunden auch in diesem Fall auf die Bonitätsprüfung und die Übermittlung seiner Daten hinweisen.

Sein ausdrückliches Einverständnis kann der Kunde im Bestellprozess durch das Setzen eines Häkchens erteilen. Auch in diesem Fall muss der Händler ihn – am besten über die an der passenden Stelle verlinkte – Datenschutzerklärung über die Details der Datenverarbeitung informieren.

Mit Restrisiko: Zahlung per Lastschrift

Das nach dem Kauf auf Rechnung beliebteste Bezahlverfahren in Deutschland ist die Zahlung per SEPA-Lastschrift. Auch dieses Bezahlverfahren ist für den Händler mit Risiken verbunden: Die Bank seines Kunden kann die Einlösung mangels Deckung verweigern, der Kunde selbst kann die Lastschrift ohne Angabe von Gründen innerhalb von acht Wochen zurückgeben lassen, und behauptet er, die Zahlung erst gar nicht autorisiert zu haben, kann er den abgebuchten Betrag sogar noch nach 13 Monaten zurückfordern.

Viele Lastschriften platzen, weil die Konten der Kunden nicht gedeckt sind. Dagegen kann sich der Händler auf mehr als eine Art wappnen: So bieten einige Zahlungsdienstleister einen versicherten Lastschrifteinzug an, tragen also das Risiko der Nichteinlösung – allerdings gegen eine Gebühr. Eine andere Möglichkeit: Der Händler versendet die Ware erst, wenn ihm der eingezogene Betrag gutgeschrieben wurde, eine Nichteinlösung mangels Deckung also nicht mehr in Betracht kommt.

Ist das Kind in den Brunnen gefallen, empfehlen erfahrenen Online-Händler, die Lastschrift mindestens ein zweites Mal einzureichen – am besten kurz nach Anfang des folgenden Monats, wenn die Chancen gut stehen, dass wieder Geld auf dem Konto des Kunden ist.

Beim Verkäuferschutz genau hinsehen: Paypal

Auf Platz Drei der bei Kunden beliebtesten Bezahlverfahren steht das Bezahlen via Paypal, wie die Online-Payment-Studie 2017 belegt. Es ist nicht nur unkompliziert und sekundenschnell, sondern gilt dank großzügiger Klauseln zum Käuferschutz auch als sehr sicher.

Paypal bietet auch einen Verkäuferschutz, bei dem Händler allerdings genauer hinsehen sollten. Eine beliebte Masche von Betrügern ist es etwa, mit per Phishing erbeuteten Paypal-Konten zu bestellen und in der Bezahlnachricht eine andere als die im Konto hinterlegte Versandadresse anzugeben. Wenn der Verkäufer die Ware aber „an eine andere als auf der Seite „Transaktionsdetails“ angegebene Adresse versendet, gilt der Verkäuferschutz nicht“, heißt es in den AGBs von Paypal.

Übrigens greift der Verkäuferschutz auch dann nicht, wenn der Kunde die Ware persönlich abholt. Online-Händler, die persönliche Abholung anbieten, sollten für solche Fälle besser auf Barzahlung bestehen – da sind Rückbuchungen ausgeschlossen. (dme)

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