OpenStack, Container und Kubernetes: Eine neue Liaison

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Auf dem jüngsten OpenStack-Kongress in Vancouver zeigte sich einmal mehr, dass die alternative, auf Open Source basierte Cloud-Plattform nach neuen Verbündeten sucht. Container und Kubernetes sind heiß begehrt.

2010 von Rackspace und der NASA ins Leben gerufen, hat die Cloud-Plattform OpenStack einen wahren Siegeszug hinter sich. Die herstellerunabhängige OpenStack Foundation erhält gerade von großen Herstellern intensive Unterstützung, wobei viele Telcos und Netzwerkbetreiber engagiert sind – darunter AT&T, Deutsche Telekom, Cisco oder Nokia. Viele chinesische Firmen wie Huawei oder China Rail gehören ebenfalls zu den aktiven Unterstūtzern. Auf der Seite der Unternehmen, die OpenStack-Lösungen einsetzen, finden sich Retailer wie Gap oder Automobilkonzerne wie Volkswagen.

Zweimal pro Jahr veranstaltet die gut mit Funding-Geldern ihrer Top-Mitglieder ausgestattete OpenStack Foundation einen internationalen Kongress, dessen Austragungsorte sich rund um den Globus befinden und wo sich jedesmal mehrere Tausend Entwickler, Vertreter von Firmen, die OpenStack- oder andere OpenSource-Komponenten einsetzen, einfinden. Diese Events dienen weniger marketing-getriebenen Ankündigungen und Produktvorstellungen, wie das gewöhnlich bei sämtlichen Branchengrößen von Cisco bis zu Dell EMC oder Oracle und Salesforce.com der Fall ist. Insofern sind sie auch deutlich interessanter als die trüben altmodischen Shows der traditionellen IT-Schwergewichte.

Aber natürlich kann es auch die OpenStack Foundation nicht lassen, die Werbetrommel für sich selbst zu rühren. So liess es sich Mark Collier, der Chief Operating Officer der Foundation, nicht nehmen, eine Reihe von Erfolgsargumenten für seine Organisation aufzuzählen, die sich heutzutage fast wortgleich bei jedem größeren Event finden: “Niedrige Kosten, Compliance, Machine Learning, Künstliche Intelligenz, Container, Edge Computing oder Vielfalt an Cloud-Angeboten”. Und er scheute sich auch nicht vor Banalitäten wie “Wir überschreiten die Grenzen”, “Eins ist nie genug” oder “Eine Foundation ist nicht genug”. Es folgten die üblichen Verweise auf Anwendergeschichten, darunter die des CERN aus Genf (die seit Jahren fast jeder IT-Hersteller für sich reklamiert) sowie auf positive Analystenreports. Und natürlich durfte auch nicht der Hinweis fehlen, dass man eine tolle “Community” sei.

Konsolidierung von OpenStack

Insgesamt -so Collier – sei man eher “angemessen oder konsolidiert gewachsen”. Konsolidierung bedeutet bei OpenStack, dass die Jahre des schnellen Wachstums einer cloud-gestützten alternativen Infrastruktur vorbei sind. Die “digitale Transformation” bedeutet bei dem Projekt OpenStack, dass cloud-native Infrastrukturen inzwischen zum Alltag vieler Unternehmen gehören und dass die Administratoren an der operativen Verbesserung und Anpassung der verschiedenen Komponenten arbeiten. Die Wachstumskurve hat sich insofern abgeschwächt, und es geht mehr darum, die bereits erreichten technologischen Vorteile auszubauen.

Geschickt verzichtete die OpenStack Foundation dieses Mal darauf, ihre Besucher jeden Tag mit stundenlangen Keynotes zu drangsalieren und richtete stattdessen mehrere kleinere Sitzungen ein, auf denen es sachlicher und thematisch vielfältiger zuging. Sie boten außerdem mehr Platz für Fragen und Statements der Besucher. Insgesamt dominierte der Informations- und Gedankenaustausch sehr stark die Veranstaltung.

Container und mehr

Auch in Vancouver spielte das Thema Container eine größere Rolle. Es ist noch nicht so lange her, dass OpenStack eher als reiner Infrastruktur-Ansatz und Container und die Orcherstrierungsplattform Kubernetes als reine Software-Lösung angesehen wurden. Doch mit der Opensource-Freigabe von Kubernetes im Jahr 2015 durch Google (sie basiert auf dem proprietären Ansatz von Borg) sind Container als “leichtgewichtige” Alternative zu den komplexen virtuellen Maschinen vor allem von VMware äußerst popular geworden.

Über die Hälfte der OpenStack-Anwender soll bereits Container und Kubernetes im Einsatz haben. Die OpenStack Foundation hat reagiert, und Container und Kubernetes beherrschten viele Vorträge und Diskussionen. In Vancouver wurde sogar ein neues Container-Programm vorgestellt: Kata Containers, aus Projekten von Intel Clear Containers und Hyper.sh hervorgegangen, soll die Sicherheit und Performance von Containern erhöhen, indem sie in eine Virtualisierungsschicht gepackt und so stärker isoliert werden. VMware als bisher marktbeherrschendes Unternehmen bei Virtualisierung hat ebenfalls vor einiger Zeit reagiert und eine eigene Variante von Containern innerhalb von virtuellen Maschinen (VMs) vorgestellt – nach dem Motto: Die besten Container gibt es bei unseren VMs.

Edge Computing findet sich nun ebenfalls bei OpenStack. Dazu heißt es bei der OpenStack Foundation: “Neue Anwendungen, Services und Workloads verlangen zunehmend nach einer Art von Systemen, die direkt eine verteilte Infrastruktur unterstützen können. Das bedeutet, dass in einer Cloud-Umgebung entfernte Systeme stärker einbezogen werden müssen.” Daten, die vor Ort entstehen und die für zentrale Auswertungen zum Beispiel in Retail-Umgebungen gebraucht werden, müssen unverzüglich übermittelt werden. Für die Beschäftigung mit dieser Thematik hat die OpenStack Foundation eine eigene Edge Computing Group eingerichtet.

Eine weitere Neuankündigung betrifft ein Management-Tool. Die auf Multisystem-Schleusung („Gating“) spezialisierte quelloffene Plattform Zuul wird mit Freigabe der Version 3 nun zu einem unabhängigen, von der OpenStack Foundation (OSF) verwalteten Projekt: „Ursprünglich wurde Zuul zum Testen bei kontinuierlicher Integration (CI = Continuous Integration) in OpenStack entwickelt. Mittlerweile leisten aber viele Mitwirkende und Nutzer aus einer ganzen Reihe von Organisationen (wie z.B. BMW, GoDaddy, OpenLab und Wikimedia) Beiträge zu dem Projekt.“ Zusammen mit OpenStack und Kata Containers ist Zuul nun das dritte von der OSF geleitete Projekt.

Insgesamt wird es in den nächsten Jahren zu einer weiteren Verschiebung in den IT-Aktivitäten kommen, weg von den eigenen Rechenzentren der Unternehmen hin zu externen Dienstleistern. Die Analysten von 451 Research schreiben: „Die Unternehmen geben weniger für ihre interne IT aus und gehen immer mehr zu Managed Hosting, Cloud Services und externen Rechenzentren über. Dies schlägt sich auch darin nieder, dass Service Provider einen größeren Anteil an den IT-Budgets der Unternehmen bekommen werden. Der Schwerpunkt der IT-Rechenzentren wird sich in den nächsten zwei Jahren verschieben: 60 Prozent der Unternehmen werden die Mehrheit ihrer IT-Aufgaben in Off-premise-Umgebungen durchführen, während es heute erst 41 Prozent sind.“

Von dieser Entwicklung wird nicht zuletzt OpenStack profitieren.

 

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