Zeitalter signifikanter Datenverletzungen

0

Was sind die Top-Themen der Cyber Security in den nächsten Monaten? Klar ist: Es wird mehr Bedrohungen und vehementere ­Angriffe geben. Als Konsequenz kommt dem Top-Management nach Auffassung von TÜV Rheinland mehr denn je eine Schlüsselrolle zu. 

„Cyber Security muss Teil des Business Cases sein und darf nicht als reiner Kos­ten­treiber gesehen werden. Cyber ­Security ist idealerweise sowohl Risiko-Beratung als auch Business Enabler“, so Björn Haan, Geschäftsführer im ­Geschäftsfeld Cyber Security, ICT & Business Solutions, TÜV Rheinland. Was das ­genau bedeutet, beleuchten die Cyber Security Trends 2017 von TÜV Rheinland. Sie spiegeln die Einschätzung der aktuellen Entwicklung seiner führenden Experten für Cyber ­Security in Deutschland, den USA, ­Europa und IMEA wider.

1. Wucht der Attacken steigert sich

Weitere Angriffswellen werden folgen, neu ist die Wucht, mit der die Attacken geführt werden. Das wirft die zentrale Frage auf, wie sicher die vernetzen Geräte, die IT-Netzwerke und die Infrastrukturen sind. Wer trägt die Verantwortung, wenn Cyber Security Maßnahmen nicht ausreichen? Müssen Auflagen und Kontrollen weiter verschärft werden?

2. Internet der Dinge

Smarte Geräte werden immer beliebter, umso dringender wird der Schutz der Privatsphäre. Eher früher als später werden Hersteller vernetzter Geräte höhere Sicherheitsstandards einführen müssen.

Freiwillige oder verpflichtende Cyber ­Security-Prüfungen und Zertifizierungen für vernetzte IoT-Geräte (IoT = ­Internet of Things, Internet der Dinge) vor der Markteinführung werden wahrscheinlicher.

3. 2017 wird das Jahr der Cloud-Security-Lösungen

Die Sensibilität dafür, dass beim Einsatz von Cloud Services das IT-Netzwerk noch besser abgesichert werden muss, steigt. Sicherheitslösungen, die den Netzwerkverkehr zwischen dem Cloud-­nutzenden Unternehmen und dem Cloud Service Provider überwachen, werden verstärkt nachgefragt. Außerdem ist die Cloud selbst immer häufiger Quelle für den Abruf von Sicherheitslösungen, darunter Echtzeit-Sicherheitsanalysen und die Detektion von Anomalien durch Künstliche Intelligenz (maschinelles ­Lernen), aber auch Managed Services für Security Data Analytics, Continuous ­Monitoring und Incident Response ­Advisory Services.

4. IAM und die Cloud

IAM (Identity-und-Access-Management) und Cloud werden zur neuen äußeren Verteidigungslinie der Organisation. Cloud-Strategien werden stärker mit dem Bereich Rechte-, Zugriffs- und Password-Management verzahnt. Das Ergebnis sind eine konsistente Verwaltung von Benutzern und Berechtigungen über Rollen und eine sichere und benutzerfreundliche Authentisierung.

5. Patientenakten und Medizingeräte

Das Gesundheitswesen steht 2017 noch stärker im Fadenkreuz der Hacker. Medizinische Einrichtungen werden überzeugende Antworten dafür finden müssen, wie sie vernetzte medizinische Geräte in ihrem Netzwerk und sensible Patientendaten künftig besser schützen wollen. Hersteller von Medizingeräten ziehen immer öfter unabhängige Dritte zu Sicherheitsaudits heran, um den verschärften Datenschutzanforderungen in Europa genügen zu können.

6. Managed Security Services

Viele Unternehmen stehen der Auslagerung von Cyber Security an externe Partner nach wie vor kritisch gegenüber. ­Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels wird Vertrauen zu einem kompetenten externen Partner für Cyber ­Security zu einem der wichtigsten Erfolgsfaktoren für die Absicherung des Unternehmens, nicht zuletzt auch wegen der wachsenden Zahl an Innentätern.

7. Industrie 4.0

Industrie und Kritische Infrastrukturen sind mehr denn je der Gefahr unberechtigter Zugriffe ausgesetzt. Da die IT wesentlich ist für die funktionale Sicherheit in der Fertigung, für den sicheren Datenaustausch und für die Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit vernetzter Systeme, müssen funktionale Sicherheit und ­Cyber Security noch stärker Hand in Hand arbeiten. Gerade Unternehmen der vernetzten Industrie (Industrie 4.0) müssen die Sicherheit ihrer Produkte über den gesamten Lebens­zyklus hinweg im Blick haben und die Risiken permanent überwachen.

8. Endgeräte-Sicherheit

Endgeräte wie Laptops, mobile Geräte, Desktop-Rechner, Server und vernetzte Geräte zählen zu den am einfachsten zu kapernden Einfallstoren für Angreifer. Die Experten von TÜV Rheinland ­empfehlen dringend, mindestens die Standardmaßnahmen auszuschöpfen, die den Schutz vor Angriffen steigern.

9. eGRC und IT-GRCwachsen zusammen

Die integrierte Sicht von IT- und Business-Risiken verbessert nicht nur das Reporting gegenüber Aufsichtsbehörden. Es erlaubt einen unverstellten Blick auf die tatsächliche Risikoexposition und zu schützende Werte der Organisation. Das ermöglicht der Unter­nehmensführung eine deutlich höhere Entscheidungsqualität. Angesichts verschärfter gesetzlicher Anforderungen wie der EU-Datenschutzgrundverordnung und mit Blick auf den Schutz des geistigen Eigentums ist das für Unternehmen von vitaler Bedeutung.

Artikel kommentieren