IT zerstört immer mehr Retail-Jobs

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80 Prozent der Jobs im Handel sind gefährdet, weil die Automatisierung stark zunimmt. Das wird auch Folgen für das Einkaufserlebnis haben.

Die Citi Bank hat zusammen mit Forschern der Oxford University eine Studie erstellt, nach der riesige Veränderungen auf die Retail-Branche zukommen: Die Automatisierung wird vor allem die unqualifizierten Arbeitsplätze treffen: 80 Prozent von ihnen werden verschwinden, lautet die Prognose der Citi Bank.

Carl Benedikt Frey, ein Direktor des Oxford Martin Programme on Technology and Employment, führt dazu aus: „Das 20. Jahrhundert hat uns gezeigt, dass die meisten Jobs, die automatisiert werden können, tatsächlich mit der Zeit verschwinden. Retail ist ein Industriebereich, in dem die Arbeitsplätze höchst wahrscheinlich ebenso verschwinden werden.“

Frey und seine Kollegen gehen davon aus, dass allein im Transport- und Logistik-Bereich der Retailer wegen der fortschreitenden Automatisierung 80 Prozent der Jobs bald verloren sind – allein deshalb, weil selbstfahrende Lastwagen und neue automatische Techniken in den Lagerhäusern die Arbeit von Menschen überflüssig machen.

Zwei Drittel der Arbeitsplätze an den Kassen und beim Verkaufspersonal sind wegen der Entwicklung der dort eingesetzten Technologien ebenfalls gefährdet. Die Forscher verweisen auf die automatisierten Supermärkte von Amazon in den USA, in denen die Kunden mit ihren Smartphones die gewünschten Produkte scannen und so anschließend direkt den Laden verlassen können. Darüber hinaus werden Online-Shops immer mehr physikalische Läden vom Markt verdrängen.

Die Forscher schreiben: „Der Aufstieg von neuen E-Commerce-Playern wie Amazon macht nur den Beginn einer komplett neuen Entwicklung aus: Traditionelle Arbeitsplätze in den Supermärkten und Kaufhäusern werden durch Automaten ersetzt. Die Kunden können auschecken, ohne mit einem einzigen Retail-Angestellten Kontakt haben zu müssen.“

Wenn diese Voraussagen stimmen, werden in den nächsten Jahrzehnten Millionen von Jobs verschwinden, und zwar in Städten jeder Größenordnung und in allen Regionen und Ländern. Oft führen Automatisierung und technische Erfindungen auch zur Schaffung neuer Arbeitsplätze, im Retail-Bereich wird das aber nicht der Fall sein, argumentieren Citi Bank und die Oxford-Forscher. Bei Retail werde es so sein wie schon in der Vergangenheit bei Landwirtschaft, Bergbau und Fabriken.

In den USA sind allein im Jahr 2017 schon 55.000 Retail-Jobs verloren gegangen, und in anderen Ländern werden ähnliche Ergebnisse erwartet.

Die gesellschaftlichen Auswirkungen können größer als erwartet ausfallen, warnen die Forscher. So hat das Verschwinden von Arbeitsmöglichkeiten in der Industrie dazu geführt, dass ganze Städte und Regionen in Mitleidenschaft gezogen wurden – man spricht in den USA heute  von einem so genannten „rust belt“ („Rostgürtel“) in einer Gegend, die man früher als „manufacturing belt“ bezeichnet hatte. Doch diesmal werden die Auswirkungen nicht regional begrenzt bleiben, sagen die Forscher, sondern es werde ganze Länder erfassen.

Retailer sollten sich überlegen, in welchem Ausmaß sie diesen Trends folgen wollen. In einer Steppe von automatisierten Läden ohne Personal könnten sich gerade solche mit ausreichend Fachkräften positiv abheben.

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