Chancen von NFC für den Handel

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Über die Hälfte aller Käufe werden in Deutschland noch an der Kasse in bar bezahlt, in Restaurants sogar noch mehr. Doch laut einer Studie des Einzelhandels wird sich das zukünftig grundlegend ändern. Anstelle von EC-Karten werden Smartphones das bargeldlose Einkaufen revolutionieren.

„Bei einem Großteil der deutschen Lebensmittel-Discounter können die Kunden bereits heute die Einkäufe mobil zahlen”, schreibt Daniel Rottinger in einer Analyse für Teltarif.de.  „Doch aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Systeme müssen sich Kunden noch vor dem Besuch des Ladengeschäfts umfassend über deren unterstützte Bezahlvariante informieren. Denn während die meisten Händler das sogenannte NFC-Payment vorantreiben, integrieren andere eine kontaktlose Bezahloption in der eigenen App”, so Rottinger weiter.

Bargeldloses Zahlungsabwicklung mit NFC-Technologie

In den letzten Jahren hat der Handel vielerorts seine Kassensysteme auf NFC-Technologie aufgerüstet. Grund dafür sind auch neue Anforderungen der EU (TA 7.1, PCI 3 bzw. 4, SEPA-ELV), nach denen Kassensysteme im stationären Handel gestiegene Sicherheitsstandards erfüllen müssen. Dafür ermöglichen die standardmäßig NFC-fähigen Geräte dann die Nutzung neuer Funktionen wie zum Beispiel kontaktlose Kredit-, Debit- und Prepaid-Karten oder auch den Einsatz von Smartphones mit NFC-basierten Wallets.

Für das kontaktlose Bezahlen mit dem Smartphone braucht der Kunde eine passende App, die auch mit dem Netzbetreiber kooperiert. Hier liegen Google Wallet und Telekom myWallet vorne, für das der Kunde allerdings auch noch eine NFC-fähige SIM-Karte braucht. Inzwischen gibt es außerdem Bezahl-Apps wie truTap, die nach dem Prepaid-Prinzip funktionieren und automatisch mit einem bestimmten Betrag wieder aufgeladen werden, wenn das Guthaben zur Neige geht. Besitzer von iPhones müssen sich zumindest in Deutschland noch ein wenig gedulden. Der im Telefon integrierte NFC-Chip ist für den Dienst Apple Pay reserviert, den es hierzulande noch nicht gibt.

Apple Pay und Hasso Plattner

Im Interview mit Bernd Liening, Online-Redakteur des Magazins Business: Handel, glaubt der Mitgründer von Orderbird, Patrick Bienen, dass „Apples Bezahldienst auch in Deutschland einen deutlichen Schub für das Bezahlen mit NFC und Mobile Payment bringen wird, sobald dieser hier eingeführt wird.“ Orderbird ist ein Spin-Off des Hasso-Plattner-Instituts, das ein Kassensystem für das iPad entwickelt hat. Dabei soll der von beiden Unternehmen gemeinsam entwickelte Chip-und-PIN-Kartenleser, der bereits in das Kassensystem integriert ist, sichere Kartenzahlungen und kontaktlose Bezahlvorgänge mit Karte oder über das Smartphone mit NFC-Chip ermöglichen.

Wo bereits mit NFC bezahlt wird

Händler, die bereits die Bezahlung via NFC in Deutschland ermöglichen, sind bisher vor allem ausgewählte Filialen von Aldi Nord und Aldi Süd sowie Norma in ganz Deutschland. In der Hauptstadt Berlin lassen Kunden bei ausgewählten Filialen der ewe-Gruppe, bei Real, Rossmann, Dussmann, Galeria Kaufhof, Esso, Douglas und Toom ihr Portemonnaie stecken und zahlen stattdessen mit Smartphone oder NFC-fähiger Giro- oder Kreditkarte.

Auch kleine Unternehmen können NFC-Technologie inzwischen relativ einfach  in ihren Bezahlvorgang integrieren. Anbieter wie Square, iZettle, orderbird, ConCardis OptiPay, SumUp oder auch PayPal bieten mobile POS-Lösungen mit NFC integrierter Technologie an. Die Kosten liegen hier zwischen 15 und 130 Euro monatlich. Dazu kostet die Anschaffung eines NFC-Lesegeräts einmalig einen Betrag etwa zwischen 500 und 1000 Euro.

Händler oft schon weiter als ihre Kunden

Nicht alle prophezeien bargeldlose Zeiten: „Händler sind vor allem bereit, auf neue Zahlverfahren zu setzen, wenn ihre Kunden danach verlangen. Die fehlende Verbreitung auf Kundenseite dürfte momentan das größte Hindernis für Händler sein“, sagt Dr. Georg Wittmann von ibi research in der Studie “Payment-Barometers”, die von ConCardis und den Forschern der ibi research an der Universität Regensburg durchgeführt wurde. Denn das Smartphone ohne App an der Kasse zu zücken und den Zahlvorgang automatisch einzuleiten ist momentan noch utopisch.

Dennoch blickt Wittmann optimistisch in die Zukunft: „Jeder vierte Händler (24 Prozent) erwartet, dass App-basierte Zahlungsverfahren in fünf Jahren eine hohe oder sehr hohe Bedeutung besitzen, von kontaktlosen Kreditkarten erwarten dies sogar 41 Prozent der Studienteilnehmer.” Laut der Studie kommen mobile Zahlverfahren langsam bei den Konsumenten an. So wurde ein Viertel der Händler von Kunden gefragt wurde, ob sie kontaktlos bezahlen könnten. Sogar über zwei Drittel der Händler können sich vorstellen, in Zukunft kontaktloses Bezahlen via Near Field Communication anzubieten.

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